Frustriert im Musikunterricht?

Wie Du mit den richtigen Fragen entspannter und effizienter unterrichten kannst

von Mailyn Rebecca Henseler (20.02.2024)

Kennst Du das auch? Dein Schüler oder Deine Schülerin macht von Stunde zu Stunde keine richtigen Fortschritte, es passieren immer dieselben Fehler und es entsteht Frust in euch beiden. Dabei weißt Du um das Potenzial, das nur noch geweckt werden muss. Mailyn Rebecca Henseler, Autorin der SCHNEEMANN®-Klavierschule, verrät Dir eine Technik, wie Du über die richtigen Fragen Möglichkeitsräume eröffnen kannst, die einen nachhaltigen positiven Einfluss auf die Unterrichtsatmosphäre und die Übeleistung haben können.

Mailyn Rebecca Henseler |

Homepage: https://schneemann-klavierschule.com/

Mailyn Rebecca Henselers Tätigkeitsbereich ist sehr vielseitig. Sie ist Klavierpädagogin, Pianistin, Sängerin, Autorin und seit 15 Jahren Dozentin für gehirngerechtes, vernetztes und ganzheitliches Klavierspielen lernen.

Ihre Schneemann®-Klavierschule wird seit vielen Jahren von zahlreichen Klavierlehrkräften im Unterricht eingesetzt und erschien 2022 auf Spanisch. Sie wird vom international renommierten Liedbegleiter und Dozent an der Royal Academy of Music in London, Benjamin M. Mead, gerade ins Englische übertragen.Benjamin hat sich (bei Mailyn) im schneemann®-klavierpädagogischen Modul I weitergebildet und steht nun kurz vor seiner Zertifizierung als SCHNEEMANN®-Klavierlehrer.

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Sie gründete sehr erfolgreich die Musikakademie Uri – heute Schneemann®-Klavierschule – und bildete schon über 150 Klavierlehrkräfte in ihrer klavierpädagogischen Weiterbildung im SCHNEEMANN®- Klavierlernsystem, dem Modul I, aus. Einige davon schlossen zusätzlich das pianistische Modul II bei ihr ab und zu ihren zertifizierten Absolventen gehören u.a. Dirigenten, Komponisten, Rhythmiker, Konzert-Pianisten und zahlreiche Klavierlehrer kantonaler Musikschulen.

Über ihr innovatives Klavierlernsystem wurde u.a. in der renommierten Zeitschrift PianoNews 2022 von Carsten Dürrer ausführlich berichtet. Sie gibt interaktive Vorträge, Fortbildungen an Musikschulen und Musikhochschulen, wie z. B. zusammen mit ihrer Dolmetscherin und Co-Übersetzerin Eva Garcia Serrano 2022 an der UNIR, der größten Online-Universität im spanisch-sprachigen Raum.

Von Ohnmacht zur Selbstwirksamkeit

Heute will ich Dir ein kraftvolles Tool mitgeben, das viel für Dich verändern kann. Doch lass mich etwas ausholen.

Bei kaum einer anderen Tätigkeit als wie beim Musizieren sind wir auf positive Weise gezwungen, so sehr im Moment zu sein – frei von Vergangenheit und Zukunft. Nichts anderes spielt eine Rolle als die Bewegungen unseres Körpers und die der Schallwellen, die unseren Körper, unser Nervensystem erfrischen wie ein wohliger Sommerregen. Ist das nicht das, was wir am meisten suchen: dieses ungehinderte Fühlen des Lebensstroms, wie er sich durch uns ganz individuell ausdrücken will?

Doch was geschieht denn oft tatsächlich auf dem Weg?

Fakt ist, wir hatten in unserer Entwicklung nicht immer Idealbedingungen. So werden wir heute, die einen mehr, die anderen weniger, immer wieder konfrontiert mit Gefühlen der Unzulänglichkeit und anderen Prägungen aus der Kindheit und Jugend, die einfach aufploppen, und das oft dann, wenn wir sie am wenigsten gebrauchen können. Diese Diskrepanz zwischen dem, was wir uns vorstellen, wie etwas klingen oder funktionieren soll und dem, wie es sich dann tatsächlich zeigt, kann für viele Musizierende und Lernende eine große Belastung und mitunter sogar ein schmerzhaftes Erlebnis sein.

Ich kenne das aus meiner Arbeit mit meinen Coachees. Alte Prägungen lassen grüßen und selbst an vielen Profis nagt immer wieder das Gefühl, ob das, was sie tun, jemals wirklich (gut) genug sei.

Langfristig wirken solche Gefühle dysfunktional, wie schwarze Löcher, in denen viel kreative Energie verschluckt wird und verloren geht. Denn wenn selbst nach x Stunden das Ergebnis sich nicht merkbar verbessert, dann kommen erste Zweifel, ob sich der ganze Aufwand überhaupt rechnet. Unser Gehirn ist ein Effizienzorgan und ist darauf ausgerichtet, Lösungen zu finden und Energie zu sparen.

Viele Klavier- und Musiklernende hören an diesem Punkt auf, weiterlernen zu wollen. Das ist sehr schade, aber auch verständlich und in mancher Situation vielleicht sogar die bessere Wahl, als sich konstant dem Gefühl auszusetzen, nicht erfolgreich zu sein, gegen eine Wand zu laufen oder sich im Kreis zu drehen.

Wieviel Potenzial jedoch brach liegt und wie viele ungelebte Träume wohl schon auf diese Weise begraben worden sind, einfach, weil das Wissen gefehlt hat, wie man diese Hürden freudvoll, effektiv und effizient überwinden kann, können wir nur erahnen.

Meine Frage hier wäre also, was sich denn bei jedem und jeder einzelnen verändern würde, wenn dieses Gefühl der Ohnmacht dem einer neuen Form von Selbstwirksamkeit weichen würde, die sowohl Lehrende als auch Lernende nicht nur fähiger und mutiger macht, sondern nebenbei auch noch mehr Menschen für das Musiklernen begeistern kann, weil der Zugang dazu so eng mit dem Erfahrungsschatz eines jeden Menschen verbunden ist?

Klavierunterricht

Der Der "CE"sar-Streifen von Mailyn Rebecca Henseler im Einsatz.

Anwendungsbereiche des Tools

Lass mich nun eine meiner liebsten Techniken mit Dir teilen, von der ich hoffe, dass sie Dir genauso weiterhelfen wird, wie mir schon seit vielen Jahren, schnell eine neue Perspektive einzunehmen, wenn Dinge unmöglich erscheinen, und ganz neue Herangehensweisen zu öffnen.

Wende diese Technik z. B. immer dann an, wenn Du im Unterricht frustriert bist, Dein Schüler oder Deine Schülerin gerade vor einer Hürde steht und Du ratlos bist und merkst, dass Dir gerade Energie verloren geht. Sei es, weil nicht geübt wurde oder trotz mehrfacher Erklärungen von Dir immer noch dieselben Fehler gemacht werden, Dinge immer wieder vergessen werden, Ungenauigkeiten passieren,...

Ich empfehle Dir für die folgende Übung (und auch generell), Dir die Grundhaltung anzueignen (wenn du sie nicht schon hast), dass mit Dir und Deinem Schüler oder Deiner Schülerin grundsätzlich alles stimmt, ihr beide immer und zu jeder Zeit euer Bestmögliches gebt und Du jetzt einfach die Chance wahrnimmst, Euch beide so zu führen, sodass künftig für alle Beteiligten schönere Erlebnisse und bessere Ergebnisse möglich werden können. Erinnere Dich immer wieder selbst daran, dadurch nimmst Du schon viel Druck aus einer belastenden (Unterrichts-)Situation heraus.

Entscheide Dich außerdem dann immer wieder neu dafür, Deine Schülerinnen und Schüler so optimal zu führen, dass Du sie bestmöglich dabei unterstützen kannst, das in ihnen schlummernde Potential zu entdecken und optimal zur Entfaltung zu bringen. Für Deine Erfüllung beim Unterrichten sollte es nicht entscheidend sein, ob ein jemand viel, wenig oder auch mal gar nicht geübt hat. Denn mein Wunsch für Dich ist es, dass Du Dich – überspitzt ausgedrückt – nicht mehr als „Opfer“ Deines Schülers oder Deiner Schülerin wahrnimmst (ob er oder sie „begabt“ oder „unbegabt“ ist, viel übt, wenig oder auch gar nicht), sondern dass Du Dich als Lernbegleitung immer mehr selbst ermächtigst, Dir einen immer größeren Wissensschatz und ein Toolset aneignest, das Dir die nötigen Kompetenzen dafür gibt, in Zukunft zusammen mit Deinem Schüler oder Deiner Schülerin Hürden leichter und sicherer zu umschiffen und Deinen Beruf wieder zu einer echten Berufung zu machen.

Das Tool heißt: Stell Dir die richtigen Fragen!

Du gehst wieder in eine Art Anfängermodus und entscheidest Dich bewusst dafür, alle Ansichten, Bewertungen und Schlussfolgerungen, die Du über eine Sache hast, über Bord zu werfen, um eine Situation wieder mit einem neugierigen, frischen Blick betrachten zu können.

Dort, wo bildlich gesprochen vorher das Glas (Deines Geistes) schon voll war mit Ansichten, wie etwas ist oder zu sein hat, leerst Du es (Deinen Geist) bewusst aus und öffnest Dich so für Neues, Spannendes und vielleicht auch Unerwartetes. Dieser Prozess öffnet Türen und gibt Dir die Chance auf einen echten Perspektivenwechsel, der Dich selbst und Deine Schülerinnen und Schüler innerhalb von kurzer Zeit enorm weiterbringen kann.

Fühlst Du nun Frust, Unmut oder eine gewisse Form von Hilflosigkeit im Instrumentalunterricht in Dir aufsteigen, dann biete ich Dir folgende alternative Reaktionen an, bevor es allzu sehr in Dir zu brodeln anfängt, und sich die Situation zu verfahren beginnt.

Stelle Dir selbst im Inneren zum Beispiel folgende Fragen:

  • „Was braucht dieser Schüler oder diese Schülerin jetzt wirklich? Und braucht er oder sie das von mir?“
  • „Welche Möglichkeit habe ich hier (mit meinem Schüler oder meiner Schülerin), die ich noch nie in Betracht gezogen habe?“
  • „Was wäre jetzt der nächste (Lern-)Schritt, um aus dieser Situation ein Erfolgserlebnis für uns beide zu machen?“
  • „Wie würde der optimale Lernprozess für meinen Schüler oder meine Schülerin hier aussehen?“
  • „Was braucht er oder sie jetzt konkret, damit uns beiden der Unterricht mehr Spaß macht, Freude bereitet und befriedigt?“
  • „Wie kann ich noch zielgerichteter und bewusster unterrichten, damit er oder sie immer mehr die Freude am Lernen für sich entdeckt und selbst Lust bekommt, über sich hinaus zu wachsen und Fortschritte zu machen?“ (Bedenke dabei die starke Korrelation von Motivation und Können. Je bewusster es einem ist, wo man schon erfolgreich ist, desto motivierter wird man aller Wahrscheinlichkeit nach an die nächste Herausforderung herangehen.)
  • „Wie kann ich meinen Schüler oder meiner Schülerin leichter zur Erkenntnis führen, wie wertvoll und bereichernd Musikmachen für das ganze Leben sein kann?“

Während Du Dir selbst die Fragen beantwortest, stelle Dir vor, wie Du innerlich einen Schritt zurücktrittst und die jetzige (vielleicht herausfordernde) Situation gedanklich für einen Augenblick verlässt. Atme dabei tief durch. Das wird Dein Nervensystem entspannen.

Sei Dir bewusst, dass diese Technik nur wirklich funktionieren kann und neue Impulse sich zeigen können, wenn Du Dich selbst auch in schwierigen Situationen in die Entspannung führen kannst und nicht im Strudel deiner Gefühlswelt gefangen bleibst. Denn nur so kommst Du in einen Zustand, in dem Du Dich objektiv mit Dir selbst auseinandersetzen kannst.

Die obigen Fragen sind Gedankenanstöße, die bei mir gut funktionieren und die ich auch den Teilnehmenden meiner Fortbildung für Klavierlehrkräfte an die Hand gebe. Lass Deiner eigenen Fantasie freien Lauf und benutze die Fragen, die für Dich funktionieren.

Achte jedoch immer darauf, dass Deine Fragen funktional sind, also Dich und Deine Schülerinnen und Schüler weiterbringen. Destruktive Selbstgespräche wie „Warum hat er schon wieder nicht geübt?“ „Wozu tu ich das alles eigentlich überhaupt?“, „Ich bekomme nie die Guten!“, „Eigentlich sollte ich Schmerzensgeld dafür bekommen, dass ich die Kinder hier bespaße.”,... helfen definitiv keinem von euch beiden weiter. Warum? Weil sie Räume (Möglichkeiten) schließen und nicht öffnen. Falls ähnliche dysfunktionale Glaubenssätze und Fragen in Deinem System herumgeistern, finde sie und fang an, sie in funktionale umzuwandeln, die Dich unterstützen und neue Möglichkeiten eröffnen.

Spiele mit diesem Tool und suche immer die nächste Frage, die euch beide, Dich und Deinen Schüler oder Deine Schülerin, am meisten vorwärts bringt. Wünschst Du Dir wahrhaftige Veränderung und lässt Du Dich wirklich auf dieses Spiel ein, könntest Du überrascht sein, wie schnell sich die Dinge zum Besseren verändern. Nicht nur beim Unterrichten, sondern auch sonst im Leben. Denn unser Gehirn denkt und lernt ja nie isoliert, sondern immer integrativ. Sei also offen und gespannt, was sich sonst alles in Deinem Leben nun zeigt.

Und nun wünsche ich Dir viel Erfolg mit diesem Frage-Tool, für viel mehr Freude, Leichtigkeit und Lebendigkeit in der Arbeit mit Deinen Schülern und Deinem eigenen Fortschritt am Instrument.

Und wenn Du auf diesem Weg deiner persönlichen Entwicklung nicht mehr allein bleiben willst, sondern Dir Unterstützung wünschst, dann begleite ich Dich sehr gerne. Nimm mit mir Kontakt auf und wir besprechen, welche Möglichkeit am besten zu Dir passt. Ob meine intensive klavierpädagogische Weiterbildung im SCHNEEMANN®-Klavierlernsystem als Videokurs (mit Möglichkeit zur Zertifizierung und dadurch neuen beruflichen Perspektiven), mein Klavierwochenende in der Zentralschweiz im August oder meine Delfinreise für kreative Menschen aller Art im Oktober diesen Jahres nach Ägypten – es gibt viele Möglichkeiten für einen Perspektivenwechsel, der Dich weiterbringt.

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